Kinder und Jugendliche bewegen sich zu wenig:
- 78 Prozent der Heranwachsenden sind nicht täglich körperlich-sportlich aktiv
- Koordinationsfähigkeit und Bewegung im Alltag nehmen ab
- Zivilisationskrankheiten schon im Kindes- und Jugendalter
Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Rücken- und Kopfschmerzen – viele Kinder leiden heute bereits an unseren „Zivilisationskrankheiten“. Die Freizeit findet zunehmend im Sitzen statt, sei es am Computer, vor der Spielkonsole oder dem Fernseher. Dabei ist der kindliche Bewegungsdrang eigentlich eine ganz natürliche Sache: Kleinkinder erobern auf allen Vieren die Welt, und schon im Kindergarten laufen Jungen und Mädchen um die Wette. Doch mit der Schulzeit beginnt oft auch der Bewegungsmangel. Die Schultage werden immer länger, der in den Lehrplänen vorgesehene Sportunterricht fällt immer häufiger aus. Teenager begeistern sich schließlich kaum noch für Sport. Dabei schützt regelmäßige Bewegung nicht nur vor Übergewicht, sondern mindert auch andere Krankheitsrisiken, sowie psychische Verhaltensauffälligkeiten.
Erste Ergebnisse eines bundesweiten, repräsentativen Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS), das 2003 bis 2006 vom Robert Koch-Institut im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit und Soziale Sicherung durchgeführt wurde, belegen, dass deutlicher Handlungsbedarf besteht. Im Rahmen der großen Studie führten Sportwissenschaftler unter der Leitung von Prof. Dr. Klaus Bös, Universität Karlsruhe, mit 4529 Kindern und Jugendlichen zwischen 4 und 17 Jahren in 167 Städten und Gemeinden spezielle motorische Tests durch. Im „Motorik Modul“ ging es dabei um Koordination, Ausdauer und Beweglichkeit. Es zeigt sich: Mehr als zwei Drittel (78 Prozent) der Heranwachsenden sind nicht täglich körperlich-sportlich aktiv. Über ein Drittel (35 Prozent) sind nicht in der Lage, zwei oder mehr Schritte auf einem 3 cm breiten Balken rückwärts zu balancieren. Bei der Rumpfbeuge, einem Test zur Messung der Beweglichkeit, kommen 43 Prozent nicht zum Fußsohlenniveau.
Nur etwa 30 Prozent der Kinder sind mindestens eine Stunde pro Tag körperlich-sportlich aktiv und erreichen damit das von der Weltgesundheitsorganisation empfohlene Aktivitätsniveau. Dabei ist die Situation paradox: Zwar gab es noch nie so viele Kinder, die Sport in einem Verein treiben. Doch der Anteil an Kindern und Jugendlichen, die unter Bewegungsmangel leiden, wächst stetig. Vor allem die Bewegung im Alltag kommt zu kurz.
Experten wie Prof. Dr. Alexander Woll, Universität Konstanz, der an der Auswertung des Surveys beteiligt ist, mahnen: „Übergewicht, Haltungsschäden und Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Nur durch gezielte Maßnahmen, die in die Welt der Kinder und Jugendlichen passen, können Gesundheitsvorsorge und Spaß am Sport wieder attraktiver werden.“